|
"Es gibt keinen Beweis, dass bestimmte Werte für das Wohlergehen der Familie wichtiger sind als andere. Überall auf der Welt finden sich fröhliche, zufriedene, harmonische und lebendige Familien, deren Richtlinien und Wertevorstellungen vollkommen verschieden sein können... Von elementarer Bedeutung ist aber zweifellos, dass die Erwachsenen in einer Familie überhaupt Wertvorstellungen besitzen - etwas, woran sie glauben; Überzeugungen, für die sie eintreten."
(Aus: Jesper Juul, Was Familien trägt - Werte in Erziehung und Partnerschaft, Kösel 2007)
Viele Erziehungsvorstellungen aus vergangenen Zeiten passen
nicht mehr in unsere Welt und zu den Anforderungen moderner Gesellschaften.
Bedingungsloser Gehorsam gehört dazu, auch die Anwendung von körperlicher
Gewalt widerspricht den Vorstellungen von erfolgreicher Erziehung. In einer
Gemeinschaft zu leben, wo fast alles möglich ist, liegen Glück, Verunsicherung
angesichts der Vielfalt sowie Rigidität als Schutz vor Überforderungen eng
beieinander. Heute definieren nicht nur die traditionellen Instanzen, was
richtig oder falsch ist. Individuum zu sein in einer pluralen Gesellschaft bedeutet,
sich immer wieder neu entscheiden zu müssen: Wie verhalte ich mich richtig? Was
ist angemessen und was nicht? Wo akzeptiere ich persönliche Einschränkungen
zugunsten anderer und wo nicht? Welche Einstellungen behalte ich trotz
Widerstände bei und welche nicht?
Kinder lernen an Vorbildern
Vor allem Eltern stehen unter Druck, klare Antworten auf
diese Fragen zu finden, ihre Überzeugungen zu benennen. Bewusstes und
konsequentes Erziehungsverhalten ist gelebtes Wertebewusstsein: Wer von seinen
Kindern keinen bedingungslosen Gehorsam erwartet, respektiert deren
Individualität. Wer keine körperliche Gewalt anwendet, ist sich seiner
Verantwortung und körperlichen und seelischen Fürsorge bewusst. Kinder brauchen
Erwachsene, die Überzeugungen vorleben, sich für ihre Werte gegen Widerstände
und in Diskussionen einsetzen. Erst dann können Kinder sich an den elterlichen
Werten orientieren und reiben, ihnen zustimmen oder sie verwerfen können. Werte
sind „Steine des Anstoßens“.
Kinder lernen an Vorbildern - zuerst an ihren Eltern,
Geschwistern oder anderen engen Bezugspersonen, wenig später an Erzieher/innen
und Lehrer/innen. Jedes Wertebewusstsein spiegelt sich im Erziehungsverhalten
wieder und dieses wiederum ist eine persönliche Entscheidung. Kinder „lernen“
Werte also am persönlichen Verhalten der Personen, mit denen sie regelmäßig zu
tun haben und zu denen sie eine emotionale Bindung aufgebaut haben. Umgebungen,
die wertvoll gestaltet sind, helfen Kindern, sich eigene Werte zu erschließen.
Kinder brauchen vorgelebte Werte, die
- sie als eigenständige Person schützen und
respektieren,
- die während des Aufwachsens Orientierung geben,
- die sie in die Gesellschaft, in der sie leben,
integrieren.
Eine breite Diskussion über werteorientierte Erziehung trägt
dazu bei, das Wertebewusstsein erziehender Personen zu stärken und sie zu einer
wertebewussten Erziehung zu ermutigen. Das ist ein Ziel des Projektes „Kinder
brauchen Werte“ des Bundesforums Familie.
|